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Der Weg der Kontemplation

"Der Weg der Kontemplation gleicht einem Gang durch das Labyrinth. Man geht ins Labyrinth hinein und meint schnell in der Mitte zu sein, wird dann aber durch viele Windungen weit nach außen geführt, immer wieder hoffnungsvoll zur Mitte und wieder nach draußen. Bis man endlich in der Mitte ankommt.

So ist es mit dem Weg der Kontemplation.

Man fängt voll Zuversicht an, wird dann aber durch viele Probleme, Schwierigkeiten, Hindernisse geführt und durchläuft den Weg der Reinigung, wie die Mystik sagt, bis man dann endlich in der Mitte angelangt ist.

 

 

 


Aber wie im Labyrinth: Wer auf dem Weg bleibt, auch wenn er manchmal nach außen in die Irre zu führen scheint, der kommt in die Mitte, den Platz der Wandlung in ein neues Leben, in eine neue Form der Begegnung mit Gott."   Willigis Jäger

                                                                                                                                                                     
Wechselnde Pfade
Wechselnde Pfade, Schatten und Licht,
alles ist Gnade, fürchte Dich nicht.

Baltischer Hausspruch

"Wechselnde Pfade" wird häufig beim Begehen des Labyrinths gesungen.
Wenn der Weg durch anscheinend gar so dunkle Täler führt, ist es hilfreich sich daran zu erinnern.

 

Beitrag im Heft 2001 Sonderheft: Kontemplation - was ist das"
der regelmäßig erscheinenden Zeitschrift "Kontemplation und Mystik"
Sie ist eine Zeitschrift zu Praxis und Theorie kontemplativen Lebens. Sie wird herausgegeben von der „Würzburger Schule der Kontemplation (WSdK)“, einem Zusammenschluß von Kontemplationslehrerinnen und Lehrern des deutschsprachigen Raumes.

"Was ist Kontemplation?"

"Willigis Jäger
führt in die Praxis der Kontemplation an Hand eines Vier- Phasen Modells ...Dies beschreibt er am Beispiel einiger "Briefe persönlicher Führung" eines späten mittelalterlichen englischen Mystikers und skizziert am Ende die praktische Übung des "Schauens ins nackte Sein": ...
Das Wort "Kontemplation" wird in der christlichen Literatur nicht einheitlich verwendet.
Es kann das gleiche bezeichnen wie Meditation oder Betrachtung und meint dann ein Meditieren über etwas. Im Mittelalter jedoch hatte es eine klare Bedeutung. Dort wird das Wort "Kontemplation" nur verwendet, um eine Erfahrung zu bezeichnen, die jenseits des verstandesmäßigen Begreifens liegt. ... "Kontemplation" kommt aus dem Lateinischen. Contemplari heißt "schauen". Diese Grundbedeutung des Wortes wird in den folgenden Ausführungen verwendet. Ziel ist das Schauen in sein wahres Selbst, Schauen einer Wirklichkeit jenseits unseres intellektuellen Begreifens. ...
 Kontemplation ist auf ihrem Höhepunkt mehr ein Zustand des Empfangens als des aktiven Tuns. Dieser Zustand kann im Grunde nicht gelehrt, sondern nur erweckt werden. darum ist es gut, wenigstens am Anfang einen geistlichen Führer zu haben, der den Weg gegangen ist, der erfahren ist, um im Schüler, in der Schülerin den gleichen Brand zu entfachen. Die Anlage dazu ist in allen Menschen angeboren. Kontemplation wird der Darstellung wegen in vier Phasen eingeteilt, die sich in der Praxis überschneiden:
1. Gebetsübung als Weg in die Kontemplation
2. Wahrnehmung des eigenen Seins - Gebet der Ruhe
3. Erleuchtungserfahrung
4. Personalisierung der Erleuchtungserfahrung
...
1. Versuche in den Raum um dich zu lauschen. Ich sage lauschen, nicht denken. Es ist mehr ein Spüren. Du kannst am Anfang auch die Stille zu Hilfe nehmen. Lausche in die Stille, höre die Stille. Stelle dir einen 360 Grad Raum vor, in dem du sitzt. Alle Geräusche und Geschehnisse sind punktuell in diesem Raum, aber du schenkst ihnen keine Beachtung.
2. Stelle Dir vor, es umgibt dich ein heiliger Raum. Wo du auch gehst und stehst, du bist in einem heiligen Raum.
3. Sobald ein Gedanke erscheint, lasse ihn wieder los und gehe zurück zum Lauschen, zum Spüren.
4. Lausche mit großer Erwartung ohne etwas Bestimmtes zu erwarten. Schaue nicht vom Kopf her, sondern mit deinem ganzen Sein.
5. Praktiziere diese Übung auch unter Tags. Spüre ins Sein hinein.
6. Versuche diesen Zustand manchmal mit weit offenen Augen zu erreichen.
7. Übe ohne Anstrengung. Eine solche Anstrengungslosigkeit ist noch schwerer zu erreichen als Entspannung. Es erfordert lange Übung, mühelos nur da zu sein. Um nichts muss gekämpft oder gerungen werden.
...
 Durch die Übung erweitert sich das Wahrnehmungsfeld. Schauen ins nackte Sein ist uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Man überschreitet damit die Eingrenzungen durch das Ichbewusstsein.
... Dieser Gebetsweg führt also zurück in den Alltag. Aber der Alltag erhält damit eine neue Ebene. Vielleicht hat Benedikt diese innere Präsenz gemeint, als er seinen Mönchen riet, die Dinge zu behandeln wie heiliges Altargerät, d.h. den Alltag zelebrieren wie einen Gottesdienst.

stark gekürzt von Dagmar Maria Jendricke

 

Mehr über Labyrinthe, auch über das 2004 auf dem Benediktushof www.benediktushof-holzkirchen.de entstandene Rasenlabyrinth, ist unter www.mymaze.de
zu finden.
                                                                                                                       

www.das-labyrinth.de                                                                                                                        

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