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„Alleingang  - Sechs Schicksale“

Rudof Hagelstange

„Ich wäre der letzte, der das deutsche Elend von gestern, die Irrgänge und Haftbarkeiten verkleinern möchte oder übersähe, wie die Flammen des Untergangs gespenstisch und makaber in die Röte des neuen Morgen hineinspielen. Aber ich mag nicht ein zu sehn, weshalb eine neue Zeit oder ein umgeschmolzenes Volk nicht mit der Kraft begabt sein sollten, in Freiheit eine neue Gesellschaft zu bilden.“ Rudolf Hagelstange

Verlag Hoffmann und Campe

Nach der Wende wurde unsere Stadtbibliothek nach Rudolf Hagelstange benannt. (Hagelstange hatte in Nordhausen gelebt)

Neben anderen auf wahrem Hintergrund beruhenden Geschichten, ist in den Büchern „Trias“ bzw. „Alleingang“ eine sehr berührenden Erzählung über einen jüdischen stadtbekannten und auf Grund seiner Gutmütigkeit auch anfangs allseits beliebten geistig Behinderten, Ernst. Er konnte die veränderten Verhaltensweisen der Mitmenschen in der NS-Zeit nicht verstehen. Dr. Kurt Isemann  ein ehemaliger, heute noch sehr geachteter Arzt, in unserer Stadt Nordhausen (der gemeint, aber in diesem Buch unter einem anderen Namen benannt ist) bemühte sich sehr, konnte ihn aber letztlich doch nicht vor dem Tod in Buchenwald beschützen.

In diesen Kontext ist auch die Geschichte "Lebenslauf" sehr passend eingebunden. Hagelstange hatte einen NS - Täter, der sich bereits vor Gericht als einziger zu seiner Schuld bekannt hatte im Gefängnis besucht. Sie handelt von einem Mann, der ein sensibler Junge war. Er wurde von seinem Vater nach den damaligen Grundsätzen "Gelobt sei, was hart macht" erzogen und zur SS gedrängt. In Buchenwald wird er als junger Mann, dessen innere Stimme ihn immer warnte, die er aber besonders in Verbindung mit dem ihn beeinflussenden und unter Druck setzenden Umfeld anzweifelte, bzw. nicht die innere Stäke und den Mut aufbrachte zu befolgen, dennoch zum Täter. Der Lebenslauf endet mit den Sätzen: " Ich habe mittelbar und unmittelbar an der Tötung vieler Menschen mitgewirkt, in dem Glauben, damit meinem Volk zu dienen. Heute weiß ich, dass ich Unrecht tat. Ich bedaure meinen Irrweg."  Vergangenheitsthemen bedürfen auch heute noch einer Rückbesinnung und Aufarbeitung, dafür kann auch das Hagelstange-Buch sehr hilfreich sein.                     

(diese Geschichten sind auch in Hagelstanges Buch "Trias" zu finden)

                                                                                              Dagmar Maria Jendricke             

Die Tagung "Kollektive Intelligenz" im Frühjahr 2006 in Würzburg galt der weltweiten Versöhnungsarbeit www.tagung06.kollektive-intelligenz.de dort haben auch Pumla Gobodo-Madikizela und Claude AnShin Thomas Vorträge gehalten - siehe dazu an Ende der Literatur Seite 6

"Der Niedergang  Von Balsers Haus zum Kathe- Kollwitz - Heim"

Rudolf Hagelstange

"Die deutsche Familien -Saga des 20. Jahrhunderts, die Rudolf Hagelstange 1981 mit seinem Roman " Das Haus oder Balsers Aufstieg begonnen hat, schließt mit diesem Band. Anhand der Schicksale eines Hauses und seiner Bewohner gibt der Autor einen Überblick von der Zeit ab dem Ersten Weltkrieg bis in unsere Tage.

Zum ersten Band des Romans: Er erzählt gewitzt und klug, sensibel das menschliche Einsehbare aufdeckend, ohne ins Sentimentale oder Plakative abzugleiten.... er macht das verwegene, Zarte, die Zwischentöne und menschlichen Valeurs sichtbar..."     Die Welt

" Ein bedenkenswertes, mahnendes Buch, das man nicht zu schnell aus der Hand legen sollte."     Münchner Merkur

Neben dem  Buch „Alleingang“, dürfte u.a. zudem auch noch der Nachdruck des zweibändigen Romans von Hagelstange über den ehemaligen Nordhäuser Dr. Schultes und seine Familie insbesondere für Nordhäuser interessant sein. Ein Sohn war ja für kurze Zeit nach dem Krieg  Bürgermeister in unserer Stadt. 

Er war auch noch beim Vereinigungsparteitag SPD – KPD. Hat aber erkannt, dass die SED-Politik nicht seine Politik sein kann und hat Nordhausen verlassen, um auf westlicher Seite Deutschlands zu leben. (Ähnlich ging es Hagelstange. Er hat noch den Kulturbund mitgegründet und ist auf westliche Seite gewechselt, als erkannte, dass dessen Mitglieder nicht in der Lage waren ein neues Weltbild mit zu tragen, später wurde er ein Freund von Willi Brand.)

In dem Roman hat Hagelstange der Familie Schultes den Namen Balser gegeben. Nach meinem Gefühl wählte er diesen Namen in Anlehnung an Eduart Baltzer. Die beiden Häuser standen sehr nah beieinander (Baltzers Haus wurde im Krieg zerstört)

Auch in Schultes Haus herrschte ja ein freier Geist. An dem Haus erinnert noch eine von Schultes Tochter gefertigte Gedenktafel an Käthe Kollwitz, die nach den Berliner Bombenangriffen eine Zeit lang bei ihrer Künstlerfreundin und Schülerin, also mit im Haus lebte.

.Dagmar Maria Jendricke                                                                                          zurück